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Die Arbeit der Galerie bietet vielfache Anregungen für prä-ikonograpische Beschreibungen, ikonographische Beschreibung, ikonographische Interpretation. Ursprünglich war die Ikonographie als Methode der Kunstgeschichte begründet, allerdings werden ikonographische Fragestellungen und Methoden heute auch ausserhalb der Kunstgeschichte angewendet - die wörtliche Übersetzung lautet "Lehre von den Bildgehalten", was auf eine breite Anwendungsbasis schließen läßt. In diesem Sinne ermuntern die Ausstellungen und digitalen Installationen zum Identifizieren von Themen für wissenschaftliche Beschäftigung; zum anderen aber auch zum Deuten von Attributen, Allegorien und Symbolen. Es gibt also keineswegs nur die bekannte Ikonographie der Heiligen, sondern Ikonographien von Personen, Ereignissen und Epochen, aber auch Ikonographien von Formen und Farben. Die Darstellung solcher Ikonographien ist einer der Arbeitsschwerpunkte der Galerie für Kulturkommunikation. Bei den hier vor allem vorgestellten Photographien findet sich ein Grenzgebiet zur Ikonologie, in der das Verhältnis von Form der Aneignung und den herrschenden Verhältnissen das eigentliche Thema ist.

Befaßt man sich auf einer solchen perspektiven Basis mit den Erscheinungsformen photographischer Welterfassung, so zeigt sich, daß der springende Hirsch durchaus mit Verkehrszeichen in Beziehung steht; viele der in unseren Ausstellungen gezeigten Personen können gelesen werden wie ein Verkehrszeichen.

 

Emblemata vermiculata

Betrachten Sie die Bilder langsam von links nach rechts und schütteln Sie dann mit den Köpfen.

Ikonographie, wie wir sie im Alltagsleben mit unserer Urlaubsphotographie betreiben, hängt eng zusammen mit anderen Ikonographien, wie sie in der Literatur, Kunst und auch der Musik zu finden sind (Heinzel). Manch ein Abgebildeter, meist Mann, der zu Füßen eines Denkmals thront, scheint sich mit dem dort Gefeierten zu identifizieren wie ein triumphierender Perseus (Langlotz). Betrachtet man die völlig ungeordneten Sichtweisen auf fremde Städte, so erscheint die Welt als Labyrinth (Hocke). Die abgebildete, oft mittelalterliche Baukunst ist nicht nur in der Vergangenheit Bedeutungsträger, sondern gewinnt einen neuen Stellenwert, wenn sie auf endlosen Diaabenden die Macht des Gastgebers über seine Gäste demonstriert (Bandmann). Die Darstellung von familiärer Harmonie anlässlich der Bilder von Festtagen ist so verlogen wie die Gestalt des Heiligen (Lützeler); Frauen, die ihre Familien tyrannisieren erscheinen auf den Fotos wie eine Ikonographie der Madonna in Trono in der Malerei des Dugento, vor allem, weil diese Bilder in der Regel unscharf sind (Jacques). Männer, die sich profilieren, finden sich in direkter Nachbarschaft einer Ikonographie des Phaeton-Mythos, vor allem, wenn sie neben ihren Automobilen posieren (Jacoby, Moos). Der schimmernde Glanz mit dem die Alltagsfestlichkeiten abgelichtet werden, erinnert an den vergessenen Symbolismus architektonischer Formen in Las Vegas (Venturi). Die zahllosen Blumenbilder auf unseren Diaabenden bilden eine Ikonographie der Flora des südöstlichen Mitteleuropas mit Bescheidenheit nach (Jávorka). Das Verhältnis von Menschen auf diesen Bildern zeigt Züge eines Verhältnisses von Führer und Geführtem, Monarch und Untertan und bietet deshalb Anreiz zu einer politischen Ikonologie des Privaten (Weber).  Vieles, was wir auf unseren Dia-Abenden sahen, verband die Betrachter zu Lachgemeinschaften Röcke und Velten). Sie waren damit weit entfernt von der geistlosen Verernstung der heutigen Power-Point-Präsentationen, die häufig so peinlich sind, dass sie die Lösung ihrer Verkrampfungen in der neuen Unterhaltungsform des Powerpoint-Karaoke fanden. Manche der Amateurbilder, die der deutsche Diaabend gebiert, sind so gruselig, dass man sich in die Apokalypse, die Visionen des Johannes in den Darstellungen der europäischen Kunst versetzt fühlt (Meer); thronende Matronen dräuen einher wie eine missratene figurative Darstellung der Caritas (Möske). Viele der Bilder ermuntern, Lebenszyklen interpretatorisch zu betrachten, in den Gesichtern und Figuren zu lesen zu trachten (Sears); manche Bilder gar evozieren Klänge (Maur); andere wirken, als wären sie direkt einer Kampagne proletarisch-pädagogischer Kulturarbeit entnommen (Geller); so sehr sind sie angefüllt mit Askese und Endlichkeitsdemut (Wiebel). Manch deutsches Wohnzimmer ist voll mit Göttinnen, Göttern und Gottessymbolen (Keel) und erfüllt von einer Transzendenz der Gefühle. Betrachtet man die Scheußlichkeiten deutscher Eigenheimkultur, wie sie sich in den Fotos manifestieren, so lässt sich eine Materialikonographie des Betons, des Klinkers und des Plastes erstellen (Fuhrmeister); die Scheußlichkeiten unserer Städte erinnern an die Bildprogramme von Mythos und Polis (Knell).

 

 

 

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Galerie für Kulturkommunikation | mailto: Kulturkommunikation@gmx.info