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Klatsch und Tratsch, gossip and tittle tattle, chat and chit  

Im Rahmen unser Beiträge zur Lebenshilfe zeigen wir Ihnen diesmal, wie man einen kunstvollen Tratsch betreibt und dabei nicht erwischt wird. Klatsch und Tratsch wird von den Tratschenden als eine Form gesellschaftlicher Unterhaltung begriffen. Daß diese bis an den Rufmord grenzen kann oder diese Grenze bisweilen zu überschreiten vermag, interessiert die Klatschbasen nicht. Die Inhalte des Tratsches sind trivial, fast so trivial wie die Tratschenden, die Folgen indes sind oftmals verheerend. Die Täter drehen sich dann gerne um, falten die Hände und murmeln etwas wie „Selber schuld“ oder gar „Dafür kann ich doch nichts“ und tratschen dann andernorts weiter, sobald sie ihr Opfer vernichtet haben.

Während sich die bösartigen Klatschweiber und –kerle keiner Schuld bewußt sind, hat sich eine umfangreiche Klatsch- und Tratschforschung etabliert, die erheblich unterhaltsamer ist als andere Pseudoforschungsgebiete.

Ohne auch nur den geringsten Schimmer von Forschung zu haben, sind sich die Klatschenden ihrer Macht bewußt. Sie wissen, daß sie aufgrund der Furcht, die anständige Menschen vor ihrem Getratsche haben, eine massive soziale Kontrolle ausüben. Bisweilen ist diese soziale Kontrolle wechselseitig, da die Klatschenden Schäden anrichten, die Gegenseite aber dem Klatschenden erst die Munition liefert. Die Täter wären ohne ihre Opfer also mittellos, was nicht dazu verleiten sollte, mit ihnen Mitleid zu haben. Angemessener wäre es, nicht in stiller Furcht vor den Klatschenden zu verharren, sondern sie öffentlich zur Rede zu stellen. Nichts auf der Welt, ausser Politikern, ist so feige wie eine erwischte Klatschbase. Idealerweise sollte man die Klatschbasen in Gegenwart ihrer Opfer ohrfeigen und dann in die Bio-Tonne werfen.

Die Klatschbasen sind auf Norm- und Werteverletzungen einer Gesellschaft angewiesen, wobei der Wertehorizont der Klatschbasen erwartungsgemäß besonders eng ausfällt. Da genügt ein Stäubchen auf dem Anzug des Rechtsanwaltes, bei dem die Klatschbase putzt, und er wird in ihren Worten gleich zum Penner hochstilisiert. Ein freundliches Lächeln eines Verheirateten für die Kassiererin im Supermarkt genügt, um seine Ehe in den Augen der Klatschbase zu einer Hölle aus Fremdgängen und Alkoholismus zu machen. Geübte Klatschbasen beherrschen die Kunst der Intrige en gros und en detail, sie säen Feindseligkeiten, ohne daß sie selbst ein Wässerchen trüben könnte. Die Putzfrau, die hinter dem Anwalt, ihrem Arbeitgeber hinterherintrigiert, nivelliert mit ihrer schäbigen Aktion Macht-, Status- und Standesunterschiede. Klatsch kann als eine Art Revolution von unten angesehen werden, da Menschen von Geist und Kultur kaum Klatschen.

Es liegt auf der Hand, daß die Besucher der Galerie für Kulturkommunikation allem Klatsch und Tratsch von Natur aus fern stehen. Es kann aber vorkommen, daß sie von anderen Kulturmenschen, die im Begriff sind, in das Prekariat hinabzusinken, weil unsere Regierungen unsere Steuergelder für notleidende Banken ausgeben statt für Bildung und Kultur, schüchtern gefragt werden, wie man denn klatscht und tratscht, etwa, weil man gerade eine Intrige säen möchte, die einem einen besseren Job verschaffen könnte.

Bislang mußten die Jünger unserer Galerie hilflos und ein wenig peinlich berüht mit den Schultern zucken, weil sie nicht wußten, wie ein guter Klatsch und Tratsch auszusehen hat.

Wir haben eine Meisterin auf diesem Gebiet für uns gewinnen können, die unser fotografisches Anschauungsmaterial zu diesem Thema begleitet, Frau Gertrude Regen-Hardt, auch „Regentrude“ genannt und von wirklich guten Freunden „hard rain.“ Die Arbeit mit unserem Tutorial ist einfach: stellen Sie sich einfach vor den Bildschirm und ahmen Sie unsere Dozentin in Mimik, Optik und Haptik einfach nach. Lernen Sie die Textbeispiele sorgfältig auswendig und ersetzen Sie sie nach und nach durch Eindrücke aus Ihrem Leben oder dem Leben anderer. Wer tratscht, hat meist kein eigenes Leben.

Schauen Sie und gehen Sie bei Ihr in die Leere. Alle Szenen wurden mit einer jungen aufstrebenden Schauspielerin naturgetreu nachgestellt.

Die vollständige Installation ist unter dem Titel "hard rain" über die Galerie auf Papier oder als DVD zu beziehen.

                                                                Rainer Strzolka, 3. Oktober 2010

 

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Galerie für Kulturkommunikation | mailto: Kulturkommunikation@gmx.info