Husavik 2012
Aktuell
Filmfestival
Neuerscheinung CD
Eliza
Willkommen
Spielplan
Unsere Publikationen
Gairdin fiain
Iceland Galleries
Dia-Abende: Theorie
Texte
Sincerely LC
Kulturruin lesen
AKatharina
Narayani Felch
Steffen Osvath
Susanne Ratuschny
Karin Thieme
Oleg Slukwin
Rainer Strzolka
Anderwelt
Apokalpyse
Auf dem Weg
Bob Dylan
Bühne
Bonjour Tristesse
Dark Orchids
Dead Queen
Early bird
Erfurt Files
Fingertips
The Fred Imprints
Hausbrand
K. C. McKanzie
Kellerjuwelen
Kur-Ort
Liebliche Reise
Marlene
Moondawn
Moonrise
Nightdancer
Nightshift
Nordkvark
Nordkvark Fotos 2
Psychophoresis
Running online
Sandbilder
Shine a light
Zisterziensernacht
Nicola Volckmann
Volckmanns Prosanova
Zwischenbilder
Abbiegen
Benutzungsordnung
They say...
Lebenshilfen
Medienpädagogik
Singlebörse
Kontakt-Formular
Impressum
Suche

Nordkvark

 

Mit Ländern wie Finnland ist es seltsam. Sie sind vom Mythos umflort, interessant zu sein und weltentrückt. Ist man einmal dort gewesen, ist man von diesem Mythos befreit: endlose Wälder, die sich vor Langeweile an sich selbst krümmen, Seen über Seen. Ist man gezwungen, in Helsinki eine Zwischenlandung zu machen, etwa, weil man von Berlin aus nach Island fliegen möchte, so kann man fast sicher sein, daß das Gepäck verschwindet. Die einzige nennenswerte Leistung der finnischen Kultur besteht darin, daß sie es einem Fabrikanten von Gummistiefeln ermöglicht hat, zum Weltmarktführer für Mobiltelefone aufzusteigen; eine Karriere, die fast so zweifelhaft ist wie jene von Herrn Professor Neumann-Venevere, der sich nicht zu schade dafür war, zuzugeben, daß er der Erfinder des Fertighauses sei - einer zweifellos üblen Perversion der Architektur.

Wer einmal in Finnland war, wird in der Regel nicht noch einmal dorthin wollen.

Eine Gesellschaft, die, um sie zu ertragen, einen geradezu grotesken Alkoholkonsum notwendig macht, der dann vom Staat extrem hoch besteuert wird. Die Menschheit sollte sich, so lehrt es das Beispiel Finnlands, doch noch einmal überlegen, ob der Staat die ideale Organisationsform für den Menschen ist, sofern er wirklich ein Mensch ist, und kein Verwaltungsfaktor.

Rein zufällig ähnelt das Samiland von Benjamin Höppner, Burkhard Niggemeier und Tim Porath Finnland ein wenig. Lange Straßen, Langeweile, wenige Frauen, die zum Kummer aller Mäner auch noch auf der anderen Straßenseite wohnen.... Die drei Schauspieler und Musiker schlüpfen in die Rollen vonAki, Mika und Maki; Cineasten wollen hierin eine Hommage an die Brüder Kaurismäki sehen - aber die Namen der drei Darstellern wechseln je nach Lust und Laune in froher Improvisation, was sich die Kaurismäki-Brüder nie erlaubt hätten.

Das Musical bietet vielfältige Aussichten auf melancholische Männer, die zu viel Rauchen, zuviel Trinken und zuviel an Frauen denken. Es ist in einer Zeit, in der eine Selbstkastrierung des Denkens, die sich als political correctness verkauft, angenehm direkt, ehrlich, sexistisch und grob. Dem Stück haftet keine Sekunde Lieblichkeit an.

Wir haben es mehrfach in der Cumberlandschen Galerie in Hannover gesehen. Jetzt reisen wir Nordkvark nach, auch wenn wir den früheren Titel Samen san hefftikka stuorma - Hefftikka eina orkan - Samen san fiell hotja ... netter fanden. Aber: er kommt noch im Untertitel vor und nett will das Stück ohnehin nicht sein.

Wer sich dorthin wagt, sollte eher solide eingestellt sein: es könnte passieren, daß die drei Schauspieler ihm sein für überteuerte Preise verkauftes Getränk austrinken und dies effektvoll in die Show einbauen. Frauen, die Namen wie Gabi, Sandy, Mandy oder Candy tragen, sollten dies niemals zugeben, weil dieses geheime Wissen von den Schauspielern gnadenlos immer wieder ausgenutzt wird, um reichlich respektlose Bemerkungen über reichlich dämliche Namen zu machen, wobei es immer die Frauen trifft, was nicht viel macht, weil sich die drei Schauspieler  mit absolut sicherem Instinkt genau diejenigen Damen aus dem Publikum ausgucken, die prüde, dumpf und doof sind

Die Vorstellung in Neustadt am Rübenberge, die wir hier in sehr zahmen Auszügen dokumentieren, zeigte en passant die Klasse von Ben Höppner, der nach der Vorstellung von einer Finnin angesprochen und befragt wurde, ob er wisse, was er dort auf der Bühne eigentlich täte - sie immerhin käme von dort. Höppner parierte die reichlich ungehaltene Reaktion wundervoll: er verblieb einfach in seiner Rolle, was die kritische Dame so sehr irritierte, daß sie in ein Lachen verfiel - für eine Finnin eine zweifellos großartige Leistung, die Sie in unserer Installation hier dokumentiert finden - ganz am Ende, klicken Sie die Bilder also bitte durch, um eine echte Finnin sehen zu können.Die sind nämlich ganz ganz selten. Glaubt man Nordkvark, was man unbedingt tun sollte, so gibt es in Samiland überhaupt nur eine einzige. Doch die wohnt auf der anderen Seite der Straße und ist schwer zu erreichen, ohne überfahren zu werden.

Einen Link zu Nordkvark finden Sie hier.

Weiter
Galerie für Kulturkommunikation | mailto: Kulturkommunikation@gmx.info