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Willkommen auf den Seiten der

Galerie für Kulturkommunikation

 

 

 


Die Arbeit der Galerie für Kulturkommunikation ist Nietzsche, Schopenhauer, Arno Schmidt, Panizza, Ludwig Marcuse, Johannes Strzolka, Frank Wedekind, Cioran und anderen Inselbewohnern gewidmet


 

Die Idee, eine Galerie für Kulturkommunikation zu gründen, beruht auf einer Begegnung im Dezember 2003 in einer Wohnung im Münchner Westend, wo Rüdiger Belter  zu einem Gespräch über „Dingkultur“ einlud. Belter, im Privatleben Geschäftsmann, stellte seine Privatwohnung als Salon für verschiedene Künstler zur Verfügung, die dort, in privatem Ambiente, ihre Kunst ausstellten. Zwischen Bücherregalen und Aktenordnern, in der Küche und im Schlafzimmer sind in Belters Wohnung Lithographien und Skulpturen zu sehen, Gemälde, Zeichnungen, digitale Installationen und Videofilme.  Die Galerie für Kulturkommunikation nahm diese Ideen auf und verpflanzte sie in die deutsche Provinz. In der Privatwohnung eines schlichten Berliner Literaturwissenschaftlers mit Zweitwohnsitz in Hannover fanden sich Bilder von Julia Ostertag neben solchen von Eberhard Schlotter, Lebadanc, Grenzmann, Paul Wunderlich, GB Fuchs, Bruno Bruni in trauter Gemeinsamkeit mit kulinarischen Genüssen, die wechselnde Spitzenköche oft nur für diese eine Begegnung von Mensch und Kunst schufen.

Bei vielen dieser Begegnungen war Photographie ein wesentliches Gesprächsthema, nicht nur, weil man sich gerne gegenseitig photographierte, um dem Anlaß ein wenig Dauer zu verleihen. Viele der photographischen Zeugnisse dieser Begegnungen sind bereits Vergangenheit; Speicherkarten versagen ihren Dienst gerne dann, wenn sie benutzt werden sollen, um dem nachlassenden Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. Wer Dauer sucht, sollte analog photographieren, genau, wie er besser Bücher schreibe, statt im Netz zu publizieren.

Ich kann heute noch Photographien mit dem Gesicht meiner Eltern oder meiner kuchenverschlingenden Tante G. anschauen, einfach, indem ich einen Briefumschlag öffne, ein Album aufschlage, ein Diapositiv aus seinem Behältnis nehme und ohne alle technischen Hilfsmittel gegen das Licht halte. Ein ganzer Kosmos von Erinnerungen tut sich auf; mit dem Anblick des kleinen Stückchen Filmmaterials werden Gefühle, Gerüche, Stimmungen evoziert, die längst vergangen geglaubt waren.

Die digitale Fotografie leistet dies nicht. Sie ist schnell. Sie ist auf Flüchtigkeit angelegt. Knipsen und Löschen ist ihre Devise; nicht: Photographieren und Bewahren. Digitale Photographie reiht sich nahtlos ein in den Horror des Alltagslebens, wo man ein ganzes Arbeitsleben lang auf einen Bildschirm starrt, um wichtigtuerischem Gehampel dienstbar zu sein und sinn- und wertlose Zahlen zu betrachten, die vor allem dazu dienen, die Lebensbedingungen anderer Menschen zu verschlechtern. Wer digital photographiert, wird leicht zum Opfer eines defekten Netzteils.

Wir leben in einer Zeit, in der es normal ist, daß Bilder, die ein Mensch von seinen Kindern machte, nach ein paar Jahren durch Festplattendefekte oder einen Wandel, der angeblich dem sogenannten technischen Fortschritt diene und in Wirklichkeit nur profitorientiert ist,  unwiderbringlich zerstört sind: das erste Lächeln eines Menschen; der erste Zahn, der erste Schultag…. Alle photographischen Erinnerungen an solche Lebensmarken sind dank der Digitalisierung der Photographie nach wenigen Jahren unwiderbringlich zerstört. Der Vorgang digitalen Fotografierens, so wie er in der Masse der Fälle geschieht, ist an Absurdität kaum zu überbieten: da sieht man Menschen, die kleine häßliche Plastikschachteln mit zugekniffenen Augen weit von sich entfernt halten. Auf den Displays dieser sogenannten Kameras ist nichts zu erkennen. Man fotografiert heute blind und wundert sich über die Ergebnisse.

Digitalisierung ist der große Fehler in der Geschichte der Menschheit. Digitalisierung erlaubt unerkennbare Manipulationen menschlicher Kommunikation. Sie beraubt Menschen um ihr persönliches wie um ihr kollektives Gedächtnis. Die Web 2.0-Kultur erlaubt jedem, alles zu schreiben und Jedem, alles zu löschen.

Die Galerie für Kulturkommunikation ist ein kleiner Fels in der Brandung des kulturellen Vergessens, indem sie Material für individuelle Erinnerungen sammelt, kultiviert, aufbereitet und den Menschen zur Verfügung stellt – virtuell, und materiell.

Die Projekte der Galerie für Kulturkommunikation zur Ikonographie der Deutschen zeigen, daß menschliche Biographien sich einander extrem ähneln.

Wenn Sie in Ihrer Kindheit keinen Tannenbaum hatten, so kommen Sie einfach in unsere Ausstellungen und genießen Sie Familie und Ambiente mit andern Menschen auf anderen Bildern, die denen, die Sie hätten machen können, unermeßlich ähnlich sind. Sie finden bei uns noch Bilder von Modelleisenbahnen und  Bilder von Mallorcareisen aus einer Zeit, als Mallorca noch nicht deutsch war.

In der Galerie für Kulturkommunikation können Sie Bilder für alle nur denkbaren Anläße betrachten. Weihnachten. Ostern. Geburtstag. Führerscheinprüfung. Barbarafeste. Beerdigungen. Sie werden Ihr Leben auf vielen dieser Bilder, die Sie niemals selbst hätten aufnehmen können, wiedererkennen. Wir stellen Bilder aus. Wir betrachten Bilder. Einsam. Gemeinsam. Zusammen. Mit Zwiebeln. Die Zwiebel ist ein demokratisches Gemüse. Besuchen Sie uns.

Leben Sie Ihr Leben genussvoll und sinnlich. Die Wirkungsweise der Kulturkommunikation ist bisher wissenschaftlich nicht grundlegend erforscht, sie ist eher eine Kunstform als eine Wissenschaft.  Kulturkommunikation ist ein Seismograph gesellschaftlicher Befindlichkeiten und ein intelligentes Werkzeug symbolischer Kommunikation. Klassisches Kultursponsoring betoniert die traditionellen Muster von Geldnehmer und Geldgeber. Kulturkommunikation hebelt diesen Mechanismus  aus. Sie legt die Verflochtenheit von Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft offen (Christiane Zentgraf). Eine zentrale Rolle innerhalb der Kulturkommunikation kommt der Kunstvermittlung zu. Kulturkommunikation vermag es, Inhalte der Kunst in offenen Bezügen zum Sprechen zu bringen.

Unser Arbeitsschwerpunkt ist analoge und digitale Ikonograpie, sowohl unter künstlerischen Aspekten als auch als Methode kommunikationswissenschaftlicher Bildanalyse.

Künstler, die sich von unserem Konzept angesprochen fühlen, sind herzlich zur Mitarbeit eingeladen.

                                          www.phogi.de 
 

 

 Diese Unterseite wurde am 28. August 2010 vollständig überarbeitet