Sabine ist gestorben.
Ich bin sehr traurig.
Sabine war meine erste Liebe, wir waren 14 Jahre alt. Ich habe sie während der unermesslich langweiligen Schulstunden im Berliner Lilienthal-Gymnasium angehimmelt, mir meinen Sitzplatz in ihrer Nähe gesucht und sie photographiert, während vor der Klasse miserable Lehrer dozierten, die uns nichts vom Leben erzählen konnten und die niemals selbst ein Leben hatten: geboren – zeitlebens schon scheintot – in die Schule gegangen, ein Schmalspurstudium abgerissen und dann wieder in die Schule gegangen.
Sabine war anders als alle Menschen, die ich jemals getroffen habe. Sie war von einer unglaublichen Empathie. Sie lächelte ein Pferd auf der Weide an, und das Pferd kam zu ihr.
Für die meisten Jungen der Klasse war sie wenig attraktiv. Sie war einfach ein Solitär, der sich nicht sonderlich für Jungen interessierte. Sie war eine Schülerin, die in allen Fächern gut war ohne sich dafür anzustrengen. Eigentlich interessierte sie sich überhaupt nicht dafür, was die Welt dachte, sie hatte ihre eigenen Maßstäbe.
Ich war sehr verliebt in sie. Ich hatte mich niemals damit geoutet, bis wir uns als Erwachsene wieder trafen. Sie lächelte und meinte, aus uns hätte ein Paar werden können, hätte ich mich getraut.
Sabine war eine Anregerin, durch sie habe ich meinen besten Freund kennengelernt.
Wir hatten uns für viele Jahre aus den Augen verloren. Eines Tages kam eine Mail.
Absender: Dr. Sabine Weiler. Sie sei die Sabine Stache von damals. Ob ich mich erinnere?
Wir trafen uns wieder, gingen endlose Runden um den Berliner Grunewaldsee mit ihrem Hund. Ich war extra nach Berlin zurück gefahren um sie zu treffen. Sabine hatte immer Hunde und Pferde. Immer ausgesprochen freundliche Tiere, die regelrecht verliebt in sie wirkten.
Sabine hielt sich selbst für langweilig. Ich liebte den großen Raum in ihrem Herzen und fand sie autonom, nicht langweilig.
Jetzt ist ihre Todesanzeige gekommen. Unterzeichnet von ihrem Bruder und ihrer Schwägerin.
Von ihren Kindern keinerlei Erwähnung.
Das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ist so schwierig dass es besser wäre, auf Elternschaft zu verzichten.
Sabine: ich vermisse Dich
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